Arbeitsschutz im Herbst: Diese Gefahren sollten Betriebe kennen

Inhaltsverzeichnis

Warum Arbeitsschutz im Herbst besonders wichtig ist

Arbeitsschutz ist keine einmalige Angelegenheit. Arbeitsbedingungen verändern sich und damit können sich auch Gefährdungen verändern. Der Beginn der kalten und dunklen Jahreszeit ist deshalb ein guter Zeitpunkt, den eigenen Betrieb noch einmal mit offenen Augen zu betrachten.
Dabei geht es nicht darum, wegen des ersten Herbstblattes sämtliche Arbeitsschutzmaßnahmen neu zu erfinden. Vielmehr sollten Unternehmen überprüfen, ob bestehende Maßnahmen auch unter den veränderten Bedingungen noch funktionieren.
Ist der Weg zum Gebäude auch bei Dunkelheit gut erkennbar? Bleibt der Eingangsbereich bei Dauerregen sicher? Sind Beschäftigte auf dem Betriebsgelände früh genug sichtbar? Und funktionieren Arbeitsabläufe im Außenbereich bei Wind und Nässe genauso sicher wie an einem trockenen Sommertag?

Ist Ihr Betrieb bereit für die dunkle Jahreszeit?

Damit Sie nicht jeden Eingangsbereich, jede Lampe und jede mögliche Herbstgefahr selbst im Kopf behalten müssen, haben wir die wichtigsten Punkte in unserer kostenlosen Checkliste zusammengefasst.

Wenn der Weg zur Arbeit plötzlich zur Rutschpartie wird

Nasses Laub ist wahrscheinlich das bekannteste Symbol für Herbstgefahren. Im betrieblichen Alltag betrifft das aber weit mehr als den Gehweg vor dem Büro.
Feuchtigkeit und Verschmutzungen können beispielsweise auf Treppen, Rampen, Betriebshöfen oder an Ein- und Ausgängen auftreten. Besonders kritisch sind Übergänge zwischen draußen und drinnen. Nasse Schuhe tragen Feuchtigkeit in Gebäude, während sich gleichzeitig mehr Schmutz in Eingangsbereichen sammelt.
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle gehören ohnehin zu den relevanten Unfallrisiken im Arbeitsalltag. Im Herbst kommen mit Regen, Laub und später möglicherweise erstem Frost zusätzliche Faktoren hinzu. Entscheidend ist deshalb nicht erst das Warnschild, nachdem jemand beinahe gestürzt ist. Betriebe sollten solche Bereiche regelmäßig kontrollieren und dafür sorgen, dass Verunreinigungen und Feuchtigkeit möglichst schnell beseitigt werden.

Morgens dunkel, abends dunkel: Beleuchtung wird zum Sicherheitsfaktor

Während im Sommer viele Arbeitswege und Tätigkeiten bei Tageslicht stattfinden, verändert sich die Situation im Herbst innerhalb weniger Wochen deutlich. Wer früh anfängt oder später Feierabend macht, bewegt sich plötzlich bei Dämmerung oder Dunkelheit über Parkplätze, Betriebshöfe und Außenwege.
Damit wird Beleuchtung zu einem wichtigen Bestandteil der Arbeitssicherheit im Herbst. Gute Beleuchtung hilft Beschäftigten dabei, Hindernisse, Unebenheiten und andere Personen rechtzeitig wahrzunehmen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weist darauf hin, dass gute Beleuchtung gutes Sehen unterstützen sowie Unfälle und negative gesundheitliche Auswirkungen vermeiden soll. Die Anforderungen an Arbeitsstätten werden unter anderem durch die ASR A3.4 „Beleuchtung und Sichtverbindung“ konkretisiert.
Der Herbst ist daher ein guter Anlass, vorhandene Beleuchtung nicht nur einzuschalten, sondern tatsächlich zu überprüfen. Eine Lampe kann funktionieren und trotzdem einen entscheidenden Bereich nicht ausreichend erfassen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Bereiche, in denen Beschäftigte und Fahrzeuge aufeinandertreffen. Dunkelheit, Regen und spiegelnde nasse Flächen können die Wahrnehmung zusätzlich erschweren.

Sehen und gesehen werden

Beleuchtung hat im Herbst noch eine zweite Seite: Beschäftigte müssen Gefahren nicht nur selbst erkennen können – sie müssen auch von anderen gesehen werden.
Das spielt insbesondere auf Betriebshöfen, in der Logistik, auf Baustellen oder bei anderen Tätigkeiten im Freien eine Rolle. Wenn Personen und Fahrzeuge dieselben oder angrenzende Verkehrsbereiche nutzen, können schlechte Sichtverhältnisse das Risiko zusätzlich erhöhen.
Ob Warnkleidung oder andere Schutzmaßnahmen erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Tätigkeit und der Gefährdungsbeurteilung ab. Wichtig ist jedoch, Sichtbarkeit nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn die Tage bereits deutlich kürzer geworden sind.
Im Herbst gilt deshalb besonders: Wer eine Gefahr nicht rechtzeitig sieht, kann auch nicht rechtzeitig darauf reagieren.

Wind und Regen verändern Arbeitsbedingungen

Ein trockener, windstiller Arbeitsplatz im Freien ist nicht mit demselben Arbeitsplatz bei starkem Regen oder Wind vergleichbar.
Werkzeuge, Materialien und Abdeckungen können sich anders verhalten. Oberflächen werden rutschig. Tätigkeiten auf Leitern oder anderen erhöhten Arbeitsbereichen können schwieriger werden. Gleichzeitig können Kälte und Nässe die körperliche Belastung von Beschäftigten erhöhen. Das bedeutet nicht automatisch, dass Arbeiten bei schlechtem Wetter eingestellt werden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen wetterbedingte Veränderungen in ihre Beurteilung einbeziehen und Arbeitsabläufe bei Bedarf anpassen.
Gerade bei regelmäßig stattfindenden Außenarbeiten sollten Verantwortliche deshalb klare Kriterien festlegen, wann zusätzliche Maßnahmen notwendig werden und wann eine Tätigkeit unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr sicher durchgeführt werden kann.

Herbst draußen, Heizung drinnen

Mit sinkenden Außentemperaturen verändert sich auch das Arbeitsumfeld innerhalb von Gebäuden. Fenster bleiben häufiger geschlossen, Heizungen werden wieder eingeschaltet und das Thema Raumklima rückt zurück in den Arbeitsalltag.
Damit beginnt in vielen Büros gleichzeitig die bekannte Diskussion: Fenster auf oder zu? Heizung höher oder niedriger?
Aus Sicht des Arbeitsschutzes sind Raumtemperatur und Lüftung keine reine Geschmacksfrage. Für Arbeitsstätten bestehen entsprechende Anforderungen, die unter anderem in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten zur Raumtemperatur und Lüftung konkretisiert werden.
Gerade der Übergang zwischen den Jahreszeiten bietet sich deshalb an, Heizungs- und Lüftungssituationen zu überprüfen. Dabei sollte nicht nur auf die Temperatur geschaut werden. Auch Zugluft, Luftqualität und die tatsächliche Nutzung der Räume spielen eine Rolle.

Muss die Gefährdungsbeurteilung im Herbst angepasst werden?

Die Gefährdungsbeurteilung bildet die Grundlage für systematischen Arbeitsschutz. Arbeitgeber müssen die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen ihrer Beschäftigten beurteilen und daraus erforderliche Schutzmaßnahmen ableiten.
Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen am 1. September eine komplett neue Gefährdungsbeurteilung erstellen muss.
Verändern sich durch die Jahreszeit jedoch relevante Arbeitsbedingungen oder treten Gefährdungen auf, die bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden, sollten diese in der Gefährdungsbeurteilung betrachtet werden.
Der Herbst eignet sich daher hervorragend für einen kleinen Realitätscheck: Passt das, was auf dem Papier steht, noch zu dem, was draußen und im Betrieb tatsächlich passiert?
Wer dabei feststellt, dass beispielsweise Außenbeleuchtung, Reinigungsintervalle, Arbeitsabläufe oder organisatorische Maßnahmen nicht mehr ausreichen, sollte entsprechend nachsteuern.

Herbstgefahren erkennen, bevor etwas passiert

Viele saisonale Gefahren sind keine Überraschung. Dass es im Herbst früher dunkel wird, Regen fällt und Blätter von den Bäumen kommen, dürfte keinen Betrieb unerwartet treffen.
Genau darin liegt der Vorteil: Unternehmen können sich vorbereiten.
Statt erst nach einem Beinaheunfall zu reagieren, können Verantwortliche den Jahreszeitenwechsel nutzen, um den Betrieb bewusst aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ein Rundgang am hellen Sommernachmittag kann schließlich einen völlig anderen Eindruck vermitteln als derselbe Rundgang an einem regnerischen Novembermorgen.
Arbeitsschutz im Herbst bedeutet deshalb vor allem eines: Veränderte Bedingungen rechtzeitig wahrnehmen und daraus die richtigen Maßnahmen ableiten.

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