Sicherheit beginnt bei der richtigen Zuständigkeit
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Aufgaben Berufsgenossenschaften übernehmen, welche gesetzlichen Pflichten für Sie als Arbeitgeber daraus entstehen und wie Sie Ihre zuständige Berufsgenossenschaft korrekt ermitteln und kontaktieren.
So schaffen Sie Klarheit, gewinnen Sicherheit im Umgang mit dem Arbeitsschutz und stellen Ihr Unternehmen nachhaltig gut auf.
Was ist eine Berufsgenossenschaft?
Dabei handelt es sich um Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltungsstruktur. Das bedeutet: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind gleichermaßen in Gremien wie Vertreterversammlung oder Vorstand eingebunden.
Warum ist die Mitgliedschaft verpflichtend?
Auch Freiberufler sind in bestimmten Berufsfeldern versicherungspflichtig, z. B. in der Physiotherapie, im Fotografie- oder Grafikdesignbereich.
Was leistet die Berufsgenossenschaft konkret?
Neben der gesetzlichen Pflichtversicherung übernimmt die BG eine Vielzahl wertvoller Aufgaben:
- Beratung und Kontrolle durch technische Aufsichtsbeamte (Außendienstmitarbeiter der BG)
- Schulungen und Fortbildungen für Arbeitsschutzakteure wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Betriebsärztinnen und -ärzte
- Erstellung und Veröffentlichung von Unfallverhütungsvorschriften (UVV)
- Bereitstellung von Informationsmaterialien, Handlungshilfen und digitalen Tools
- Durchführung und Finanzierung von Rehabilitationsmaßnahmen
- Zahlung von Verletztengeld, Übergangsgeld oder Renten bei bleibenden Gesundheitsschäden
Für Arbeitgeber lohnt sich die Zusammenarbeit: Die BGs beraten proaktiv zur Vermeidung von Risiken und begleiten Veränderungen im Betrieb – z. B. bei Umbauten, neuen Maschinen oder Digitalisierungsvorhaben.
Wie finden Sie Ihre zuständige Berufsgenossenschaft?
Jedes Unternehmen gehört einer Berufsgenossenschaft an. Ausschlaggebend ist dabei der wirtschaftliche Tätigkeitsschwerpunkt. Dieser ergibt sich aus der Art der ausgeübten Tätigkeit, dem Umsatzschwerpunkt und der Beschäftigtenzahl je Tätigkeitsbereich.
Schritte zur Ermittlung sind etwa:
- Hauptgeschäftsfeld analysieren (z. Metallverarbeitung, Bau, Handel)
- Wirtschaftszweig (WZ-Code) und Branche zuordnen
- Zuständige Berufsgenossenschaft identifizieren
Im Zweifelsfall hilft die kostenlose DGUV-Hotline unter 0800 60 50 40 4 weiter oder ein direkter Kontakt zur DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), dem Spitzenverband aller Berufsgenossenschaften.
Komplette Übersicht aller gewerblichen Berufsgenossenschaften
Es gibt neun gewerbliche Berufsgenossenschaften, die den Großteil der Unternehmen in der deutschen Wirtschaft abdecken. Diese sind:
- BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
- BG ETEM – zuständig für Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse
- BGHM – Holz und Metall
- BGN – Nahrungsmittel und Gastgewerbe
- BG Verkehr – Verkehrswirtschaft, Post-Logistik, Telekommunikation
- BGW – Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
- BG RCI – Rohstoffe und chemische Industrie
- BGHW – Handel und Warenlogistik
- VBG – Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
Für landwirtschaftliche Betriebe und Forstwirtschaft ist die SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau) zuständig.
Wann greifen andere Träger?
Neben den gewerblichen und landwirtschaftlichen BGs gibt es weitere Unfallversicherungsträger:
- Unfallkassen der Länder und Kommunen (z. für Lehrer, Kita-Kinder, Verwaltungsangestellte)
- Unfallversicherung Bund und Bahn (für Bundesbedienstete, Soldaten, Bahn-Mitarbeitende)
Die Zuständigkeit richtet sich nach Trägerschaft und Tätigkeit. Öffentliche Einrichtungen gehören meist zu den Unfallkassen, privatwirtschaftliche Unternehmen zur zuständigen Berufsgenossenschaft.
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Organisation & Struktur: Wie Berufsgenossenschaften aufgebaut sind
BGs bestehen aus folgenden Organen:
- Geschäftsführer: Leitung der Verwaltung
- Vertreterversammlung: Beschließt Satzung, UVV, Haushaltspläne (paritätisch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzt)
- Vorstand: Exekutive Führung der BG, ebenfalls paritätisch besetzt
Die Aufsicht über alle Berufsgenossenschaften obliegt dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
So wird der Beitrag berechnet
- Lohnsumme aller Beschäftigten (Jahresentgeltsumme)
- Gefahrenklasse der jeweiligen Branche (je nach Unfallrisiko)
- Umlagebedarf der BG (jährlich neu berechnet)
In Einzelfällen können Beitragsnachlässe oder -aufschläge erhoben werden, etwa bei besonders guter oder schlechter Unfallbilanz.
Typische Arbeitgeberpflichten gegenüber der BG
Damit die Zusammenarbeit mit der zuständigen Berufsgenossenschaft reibungslos verläuft, sollte jedes Unternehmen seine Arbeitgeberpflichten gegenüber der BG kennen. Diese sind:
- Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen 1 Woche nach Unternehmensgründung
- Zahlung der Umlagebeiträge
- Mitwirkung bei Betriebsbesichtigungen und Anfragen
- Umsetzung der Unfallverhütungsvorschriften
- Teilnahme an Schulungen oder Einweisung von Personal
- Meldung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten oder wesentlichen Änderungen
Welche Rolle spielen Technische Aufsichtsbeamte?
Diese Beratung erfolgt kostenlos und sollte als Chance verstanden werden, nicht als Kontrolle. Auch Gefährdungsbeurteilungen oder Schulungen können durch sie begleitet werden.
Berufsgenossenschaften im Wandel: Digitalisierung & moderne Prävention
BGs reagieren auf neue Herausforderungen wie die zunehmende Digitalisierung, hybrides Arbeiten, alternde Belegschaften oder psychische Belastungen. Viele bieten inzwischen:
- Online-Fortbildungen und Webinare
- Digitale Tools zur Gefährdungsbeurteilung
- Unterstützung bei der Einführung von Homeoffice-Regelungen
- Projekte zu psychischer Gesundheit und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung
Besonders hilfreich: Handlungshilfen und Musterlösungen auf den Websites der BGs. Diese erleichtern die Umsetzung der Vorgaben erheblich.
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Die Berufsgenossenschaft ist mehr als nur Pflicht
Richtig eingesetzt ist sie ein wertvoller Partner für mehr Sicherheit, weniger Ausfälle und eine stärkere Arbeitgebermarke. Denn gesunde, geschützte Mitarbeitende sind der Schlüssel für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Wenn Sie sich unsicher bei der Anmeldung sind oder Unterstützung bei der Kommunikation mit Ihrer BG benötigen, helfen Ihnen unsere Experten gerne weiter.
