Warum hohe Temperaturen das Risiko am Arbeitsplatz erhöhen
Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, denken viele Unternehmen zunächst an Sonnenschutz, ausreichend Trinkwasser oder Maßnahmen gegen Hitzestress. Was dabei häufig unterschätzt wird: Auch der Umgang mit Gefahrstoffen kann bei hohen Temperaturen deutlich riskanter werden.
Denn Hitze belastet nicht nur den menschlichen Körper, sondern kann auch die Eigenschaften von Gefahrstoffen verändern. Dadurch steigt unter Umständen die Belastung für Beschäftigte, während gleichzeitig die Gefahr von Bränden, Explosionen oder gesundheitlichen Schäden zunimmt. Unternehmen sollten deshalb gerade in den Sommermonaten prüfen, ob bestehende Schutzmaßnahmen ausreichend sind und die Gefährdungsbeurteilung die besonderen Bedingungen bei hohen Temperaturen berücksichtigt.
Hitze kommt oft schneller als gedacht.
Mit unserer Checkliste behalten Sie die wichtigsten Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen jederzeit im Blick.
Warum Hitze den Umgang mit Gefahrstoffen beeinflusst
Viele Gefahrstoffe reagieren empfindlich auf steigende Temperaturen. Insbesondere flüssige Stoffe wie Lösemittel, Reiniger, Lacke, Verdünnungen oder Kraftstoffe verdunsten bei Wärme schneller. Je höher die Temperatur, desto mehr Dämpfe können entstehen und sich in der Umgebungsluft anreichern.
Dadurch steigt die Gefahr, dass Beschäftigte diese Stoffe einatmen. Gleichzeitig kann die Konzentration gefährlicher Dämpfe schneller kritische Werte erreichen. In geschlossenen Räumen oder Bereichen mit unzureichender Lüftung kann dies zu einer deutlich höheren Belastung führen als bei normalen Temperaturen.
Neben der gesundheitlichen Gefährdung kann auch die Brand- und Explosionsgefahr zunehmen. Viele brennbare Flüssigkeiten geben bei höheren Temperaturen mehr entzündliche Dämpfe ab. Befindet sich in der Nähe eine Zündquelle, kann dies im schlimmsten Fall zu einem Brand oder einer Explosion führen.
Die Belastung für Beschäftigte steigt
Hohe Temperaturen wirken sich nicht nur auf die Gefahrstoffe selbst aus, sondern auch auf die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Der Körper versucht bei Hitze, seine Temperatur durch verstärktes Schwitzen und eine höhere Durchblutung der Haut zu regulieren. Gleichzeitig erhöht sich häufig die Atemfrequenz.
Dadurch können Gefahrstoffe unter bestimmten Umständen leichter über die Atemwege oder die Haut aufgenommen werden. Besonders bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten kann die Kombination aus Hitze und Gefahrstoffbelastung schnell zu einer erheblichen Beanspruchung führen.
Hinzu kommt, dass viele Tätigkeiten mit Gefahrstoffen das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung erfordern. Chemikalienschutzhandschuhe, Schutzanzüge oder Atemschutzgeräte sind wichtige Schutzmaßnahmen, erschweren jedoch die Wärmeabgabe des Körpers. Die Folge können Hitzestress, Kreislaufprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine erhöhte Fehleranfälligkeit sein. Gerade bei Tätigkeiten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial kann dies das Unfallrisiko zusätzlich erhöhen.
Gefahrstofflagerung
Auch die Lagerung von Gefahrstoffen verdient bei hohen Temperaturen besondere Aufmerksamkeit. Werden Behälter direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder in schlecht belüfteten Bereichen gelagert, können sich diese erheblich aufheizen.
Je nach Stoff kann dies zu einem Druckanstieg im Behälter führen. Im ungünstigsten Fall entstehen Undichtigkeiten oder es kommt zum Austritt von Gefahrstoffen. Deshalb sollten die Lagerbedingungen regelmäßig kontrolliert und die Vorgaben aus den Sicherheitsdatenblättern eingehalten werden.
Besonders im Außenbereich oder in Lagerhallen ohne Klimatisierung sollten Unternehmen prüfen, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind.
Schutzmaßnahmen rechtzeitig planen
Ein wirksamer Schutz beginnt bereits vor den ersten Hitzetagen. Unternehmen sollten ihre Gefährdungsbeurteilung daraufhin überprüfen, ob die besonderen Belastungen durch hohe Temperaturen ausreichend berücksichtigt werden.
Dazu gehört unter anderem die Kontrolle von Lüftungs- und Absauganlagen, damit Gefahrstoffdämpfe zuverlässig erfasst werden können. Tätigkeiten mit erhöhter Gefahrstoffbelastung sollten nach Möglichkeit in die kühleren Morgenstunden verlegt werden. Ebenso können zusätzliche Erholungspausen und eine Anpassung der Arbeitsorganisation dazu beitragen, die Belastung für Beschäftigte zu reduzieren.
Auch die regelmäßige Unterweisung der Mitarbeitenden spielt eine wichtige Rolle. Beschäftigte sollten wissen, wie sich hohe Temperaturen auf Gefahrstoffe auswirken können, welche Symptome einer Überlastung auftreten können und welche Schutzmaßnahmen einzuhalten sind.